Überwinterungsquatiere in Kropp

Im Rahmen einer Pressekonferenz zu dem Thema "Sicherung und Optimierung der Lebensräume von Fledermäusen, Amphibien und Reptilien", erhielt unser Verein Weidelandschaften e.V, am 24.9.2009 den lang ersehnten Zuwendungsbescheid für das gleichnamige Artenschutzprojekt. Überreicht wurde der Bescheid von der Abteilungsleiterin für Naturschutz, Forstwirtschaft und Jagd aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Frau Margret Brahms. "Ich bin mir sicher, dass die Zahl der überwinternden Fledermäuse in den nächsten Jahren zunehmen wird und wir somit einen wichtigen Baustein zu Sicherung der Fledermäuse in Schleswig-Holstein geschaffen haben", lobte sie die Aktivitäten.

Dank des Engagements ehrenamtlicher Helfer der AG Fledermausschutz, allen voran Herr Volker Kubisch, wurden bereits 1999 erste Zählungen vorgenommen und im Jahr 2005 noch unter der Verwaltung der Bundeswehr die ersten Bunker fledermaustauglich gemacht. Seit Beginn der Zählungen im Jahre 1999 stiegt so die Anzahl der Tiere von 21 auf stattliche 380 Individuen im Jahr 2008 an.

Um diesen Trend zu verstärken, werden im kommenden Jahr werden weitere 40 der ehemaligen Bunkeranlagen zu attraktiven Quartieren hergerichtet, um den stark gefährdeten Tieren langfristig sichere Überwinterungsquartiere bieten zu können. Insgesamt werden 2400 Hohlblocksteine, 470 Fledermausflachkästen und 1800 Lichtbahnen als Fledermausverstecke an den Innenwänden der Bunker befestigt.

Da Fledermäuse im Winter auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen sind damit ihre Flughäute während der Winterruhe nicht austrocknen, werden Löcher in die Bunkerdecken gebohrt. Nicht zuletzt wurden die Zugänge zu den Bunkern durch besondere Türen gesichert, damit die Fledermäuse während der langen Wintermonate ruhig schlafen können, ohne von ungebetenen Besuchern gestört zu werden.

Während einer Führung durch den größten Fledermausbunker des Geländes, war es den Journalisten und weiteren Gästen, darunter dem Bürgervorsteher der Gemeinde Kropp, Herrn Lorenzen, sowie dem Bürgermeister, Reinhard Müller, möglich, sich einen Eindruck von den ersten fertig ausgebauten Fledermausquartieren zu machen.

Überraschungen bei der Fledermauszählung im Wisentpark Kropp

Sie schlafen tief und fest in den Ritzen der Hohlblocksteine, hinter wasserbeschlagenen Trapezlichtplatten und in den Tiefen der Fledermauskästen. Wasserfledermäuse und Fransenfledermäuse schätzen die hohe Feuchtigkeit in den ehemaligen Luftschutzbunkern, die knöchelhoch voll Wasser stehen. Aber auch das Braune Langohr und die Zwergfledermaus finden sich in den unzähligen Spalten der Bunkeranlagen – diese bevorzugen die mäßig feuchten Bunker. Insgesamt sind es mittlerweile sieben Fledermausarten, die im Wisentpark Kropp ihren Winterschlaf verbringen.

Großes Mausohr

Jedes Jahr treffen sich die Fledermausfreunde Ende Januar zur Erfassung der Überwinterungsgäste. Ein besonderer Dank geht an die 12 ehrenamtlichen Helfer, die in diesem Jahr unter Leitung von Matthias Göttsche die Zählung durchführten. Unter Federführung des Vereins Weidelandschaften e.V. wurden im Jahr 2009 insgesamt 51 Militärbunker des ehemaligen Munitionsdepots Kropp als Winterquartiere für Fledermäuse hergerichtet. Seither sind die jährlichen Steigerungen der Überwinterungszahlen spektakulär. In diesem Jahr stieg die Gesamtzahl von 2446 Individuen im Vorjahr um 365 auf nunmehr 2810 Individuen an.

Guppenbild der Fledermauszähler 2017

Nicht nur die Steigerungsraten der letzten Jahre sind für Experten verblüffend. Auch das die Zahl der überwinternden Teichfledermäuse– einer äußerst seltene und stark gefährdete Fledermausart - stetig steigt, ist ein Zeichen für die hohe Qualität der Quartiere.

Das Highlight dieses Jahres war die Entdeckung des Großen Mausohrs. Diese in Deutschland größte Fledermausart ist bisher nur südlich des Nord-Ostsee-Kanals in Geesthacht als Einzelfund registriert worden. In den Segeberger Kalkhöhlen hingegen ist diese Art regelmäßiger Gast.

„Sowohl der Anstieg der Überwinterungszahlen insgesamt als im Besonderen der Teichfledermaus und der Fund des Großen Mausohrs zeugt von der wachsenden Bedeutung der Überwinterungsquartiere im Wisentpark Kropp“ so Matthias Göttsche. Der gelernte Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz arbeitet an der Universität Kiel in der Faunistisch-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft (FÖAG) und ist zuständig für das Fledermausmonitoring in Schleswig- Holstein.

An den Ergebnissen lässt sich auch der Erfolg der im vergangenen Jahr durchgeführten Optimierungsmaßnahmen, die durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig Flensburg gefördert wurden, ablesen. Frau Widowski und Herr Göttsche sind sich darüber einig, dass die Verbesserungen zur Klimaoptimierung in den Bunkern die Traditionsbildung der Winterquartiere stabilisieren und verbessern. Weitere Maßnahmen sollen in diesem Jahr folgen.

Wer an mehr Informationen interessiert ist, sollte sich den 7. Mai 2017 vormerken. Das Wisentgehege wird an diesem Tag das alljährliche Frühjahrsfest veranstalten. Da die Fledermäuse dann ausgeflogen sein werden, ist es möglich, einen der Fledermausbunker zu besichtigen und sich fachkundig informieren zu lassen.

Verdopplung der Überwinterungsgäste seit 2012

Der Verein Weidelandschaften e.V. führte am Sonntag, den 24.1.2016, in Zusammenarbeit mit der FÖAG (Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft, Fledermausmonitoring Schleswig-Holstein) die alljährliche Zählung der überwinternden Fledermäuse im Wisentpark Kropp durch. Das hört sich nach einer ganz unspektakulären Inventur an. Aber weit gefehlt. Ein neuer Höchststand überwinternder Fledermäuse wurde von den 15 ehrenamtlichen Fledermausfreunden unter Leitung von Matthias Göttsche bei der diesjährigen Zählung registriert. Aktuell nutzen 2446 Fledermäuse die 51 als Winterquartier hergerichteten Munitionsbunker. Insgesamt beherbergt das ehemalige militärische Gelände 120 Bunker.

Vor einem Jahr verfehlte man mit 1988 Winterschläfern knapp die 2000er Marke. In diesem Jahr wurde sie deutlich überschritten, mit einer Steigerung von 458 Überwinterungsgästen. „Dies ist der höchste bisher ermittelte Zuwachs an Wintergästen. Die rasante Steigerung der Überwinterungszahlen ist auch in der Fachwelt eine Überraschung. Das ist bundesweit einmalig.“ so Matthias Göttsche. Der gelernte Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz arbeitet an der Universität Kiel in der Faunistisch-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft (FÖAG) und ist zuständig für das Fledermausmonitoring in Schleswig- Holstein.

Dabei sind die Fledertiere nicht leicht zu finden. Spalten von einem halben Zentimeter reichen den Tieren, um darin monatelang zu „schlafen“. Man braucht in den stockfinsteren, fensterlosen Räumen Taschenlampen und kleine Spiegel, um die Winzlinge zu entdecken. Die Artbestimmung übernehmen die Experten, da es viel Übung bedarf, an einem Gesicht, Ohrformen oder einer cremefarbenen Bauchseite, sicher die Artzugehörigkeit festzulegen.

„Die aufwendige Ausbringung von Versteckstrukturen in den „nackten“ Innenräumen der Bunker hat sich bewährt“, so Frau Widowski, die das seit 10 Jahren laufende Wisentprojekt in Kropp führt und die Fledermausschutzmaßnahmen wesentlich mit angeregt und organisiert hat.

Bei der Bestandaufnahme wird deutlich, dass das Innenraumklima für die kleinen flugfähigen Säugetiere von entscheidender Bedeutung ist. Als Mensch neigt man zu warmen, trockenen Räumen. „Warm“ in diesem Fall bedeutet frostfrei, mit möglichst geringen Temperaturschwankungen. Hohe Luftfeuchtigkeit, die so hoch sein kann, dass Nässe auf dem Fell der Tiere, Wänden und Türen kondensiert, und möglichst geringe Luftbewegung sind das bevorzugte Schlafklima für die heimischen Flugsäuger. Dies muss selbst bei der möglichst kurzen Begehung jedes einzelnen Bunkers beachtet werden. Außentüren müssen sofort nach Betreten geschlossen werden, Lärm ist zu vermeiden. Winterschlafende Fledermäuse sind so empfindlich wie uralte Gemälde im Museum. Dort sind es Luftbefeuchter, Vitrinen und Alarmanlagen, hier Ungestörtheit, Nässe und Dunkelheit, die zum Erfolg führen. Frau Widowski und Herr Göttsche sind sich darüber einig, dass weitere Verbesserungen zur Klimaoptimierung in den Bunkern die Traditionsbildung der Winterquartiere stabilisieren und verbessern würden.

„Die Quartiere im Wisentpark Kropp haben den Vorteil, dass sie äußert ruhige und ungestört liegen. Zudem ist es dunkel, es gibt keine Störungen durch nächtliche künstliche Beleuchtung“, so Herr Göttsche. Diese Faktoren sind neben der Qualität der Quartiere maßgeblich an der Steigerung des Überwinterungsbestandes beteiligt.

Besonders beeindruckend für alle Beteiligten an diesem Tag war die Begegnung mit den kleinsten Säugetieren und dem größten Landsäuger, dem Wisent. Eine Herde Wisente und tausende von Fledermäusen an einem Tag, das ist kaum zu toppen!

Wer an mehr Informationen interessiert ist, sollte sich den 1. Mai 2016 vormerken. Das Wisentgehege wird an diesem Tag das alljährliche Frühjahrsfest veranstalten. Da die Fledermäuse dann ausgeflogen sein werden, ist es möglich, einen der Fledermausbunker zu besichtigen.